Seite 1 von 1

Operation mit 41?

Verfasst: So, 24.07.2005 - 10:14
von Schega
Hallo!
In meinem 15. Lebensjahr ist bei mir Skoliose festgestellt worden. Ich bekam damals ein paarmal Krankengymnastik verschrieben. Das war´s. Meine Krümmung im unteren Wirbelsäulenbereich lag nicht so hoch, dass eine Operation notwendig geworden wäre. Mein Orthopäde sagte mir damals schon, dass ich bei evtl. Schwangerschaften Probleme mit meinem Rücken bekäme.
Nun bin ich 41 und habe drei gute Schwangerschaft ohne Rückenschmerzen überstanden. Dafür ist jetzt eine Verkrümmung von 52 Grad festgestellt worden. Die Untersuchungen laufen noch, jedoch sprach mein Arzt davon, mich nach seinem Urlaub einem Operateur vorstellen zu wollen.
Wer hat ähnlich Erfahrungen gemacht? Was folgt alles nach der Operation?

Verfasst: So, 24.07.2005 - 11:07
von Toni
Hallo Schega
das ist ein relativ typischer Verlauf.
Aber 51 ° Cobb ist zwar der Anfang der OP-Indikation aber noch lange nicht das unbedingte MUSS einer OP!
Es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle!
1. Die Art/Typ ( Nach LENKE oder KING) der Skoliose. Wo sitzt die Hauptkrümmung? bist Du 2, 3 oder 4bogig ( double major?)
2. Wie lange müsste die WS versteift werden? Die länge der beabsichtigten Versteifungsstrecke spielt später bei den Bewegungseinschränkungen eine sehr große Rolle.
3. Wer soll nach welchem Verfahren operieren? Was dür ein Implantat soll verwendet werden?

Eine OP ist KEINE Garantie für Schmerzfreiheit! Ich kenn genügend Skoliosen, die nach der OP WESENTLICH MEHR Schmerzen und Probleme hatten als vorher! Aber auch positive Fälle, wo die OP zur Schmerzfreiheit geführt hat.
Auf keinen Fall würde ich an Deiner Stelle einer OP zustimmen, wenn nicht vorher die konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Versuche eine REHA in einer Schroth-Klinik ( Bad Salzungen oder Bad Sobernheim) zu machen. Schrothe was das Zeug hält!
Versuch eventuell eine weitere Verschlechterung durch das Tragen einen gut korrigierenden Korsettes (stundenweise und oder Nachts) aufzuhalten.
Ich hab mit 48 eine sehr erfolgreiche Korsett-Therapie begonnen (aber Kyphose!) und bin dadurch sehr gerade UND Schmerzfrei geworden.
Ich hab nun auch in mehreren Fällen direkt miterlebt was für eine enorme Belastung diese große OP sein kann.
Versuch es ZUERST konservativ!
Gruß Toni

Verfasst: So, 24.07.2005 - 12:55
von Karlson vom Dach
Hallo Schega,

ich kann Toni nur zustimmen, ich (37, auch Kyhose und 27° Skoliose als Nebenkriegsschauplatz) habe es auch mit einem Korsett versucht. Ich bin zwar noch nicht gerade, aber auf dem Weg dahin und ebenfalls schmerzfrei. Bei mir als "steifer Bechti" dauert es eben bischen länger, aber es funktioniert! Es ist ein tolles Gefühl zu merken und zu sehen, wie man immer gerader und damit auch größer wird. Erst am Freitag wurde ich wieder auf meine neue Körpergröße angesprochen.
Sogar Dr. Hoffmann hatte mir anfangs eine OP vorgeschlagen, weil ich einfach schon zu steif war! Und ich dachte mir, nachdem er es sich anders überlegt hatte und mir eine Chance mit dem Korsett gab: JETZT GEB ICH ALLES!
Eine Schroth-Reha macht übrigens Spaß! Es ist schön, 4 Wochen von allen Verpflichtungen befreit zu sein und sich nur mit dem eigenen Körper zu befassen. Das tägliche Schrothen erfordert zwar etwas Disziplin, macht aber auch Spaß. Ich mache es täglich vor dem Frühstück, daß dann richtig schmeckt, weil man "schon auf Drehzahl" ist und Hunger hat.

Einen sehr ausführlichen Bericht über eine erwachsene Skoliose mit Korsett schreibt zur Zeit Dalia, unbedingt lesen!!!

Viel Erfolg,

Karlson vom Dach

Verfasst: So, 24.07.2005 - 15:58
von bluecat
Hallo Schega,

ich bin 25, trage seit 2003 wieder ein Korsett weil sich meine Krümmung auf 52° LWS und BWS verschlechtert hat. Schmerzen hatten leicht begonnen.

Eigentlich bin ich schon in der OP Indikation drinnen.

War am Mittwoch zur Kontrolle bei Dr. Hoffmann. Er schaute sich meinen Rücken an und meinte zusammen mit Hr. Rahmouni, das mein Korsett zur Zeit so gut korrgiert, das er zur Zeit nicht mehr nach 52° Krümmung ausschaut :)
In einem halben Jahr etwa heisst es Kontrollröntgen ohne Korsett.......habe ein wenig Angst davor.

Beide sind sehr zuversichtlich, mich aus der OP Indikation rauszubekommen.

Hoffentlich!

Ich trage mein Korsett übrigens stundenweise.

Verfasst: So, 24.07.2005 - 16:49
von Dalia
Hallo Schega,

herzlich willkommen hier!
Schega hat geschrieben:Nun bin ich 41 und habe drei gute Schwangerschaft ohne Rückenschmerzen überstanden.
Gehe ich recht in der Annahme, dass du jetzt keine oder nur wenige Beschwerden hast und ansonsten mit deiner Skoliose gut leben kannst? Dann ist das viel zu wenig Grund für eine OP.

Ich empfehle als erste Maßnahme eine Schroth-Reha, und wenn die dir nicht reicht, kannst du stundenweise (z.B. nachts oder bei der Arbeit) ein Korsett tragen. Im schlimmsten Fall trägst du es eben soviele Stunden, wie es dir gut tut. Dann verhinderst du eine Verschlechterung und förderst du möglicherweise sogar deine Vitalität.
Karlson vom Dach hat geschrieben:Einen sehr ausführlichen Bericht über eine erwachsene Skoliose mit Korsett schreibt zur Zeit Dalia, unbedingt lesen!!!
Das ist aber nett, Karlson. ;D Aber es ist ein wahrer Mammutsthread mit sehr viel Plaudereien dazwischen. Schega, ich bin 30 und habe offiziell 93 und 98°, seit etwa 8 Wochen trage ich ein Korsett. Mein Thread ist eine Art Korsetttagebuch, den findest du hier:

Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose) (noch eine Anmerkung: Das Korsett bekam ich am 30. Mai 2005, also auf der ersten Seite nach unten scrollen)

Operation mit 41

Verfasst: Di, 26.07.2005 - 09:38
von Schega
Hallo,
danke das Ihr alle so schnell auf meinen Beitrag reagiert habt.

Hallo Toni:
Deine Drei Fragen kann ich leider noch nicht beatworten. Erde meinen Arzt beim nächsten Termin danach fragen.
Was bedeutet Kyhose?
Was macht man bei der Schroth-Therapie?
Was hälst du von der Klinik in Bad Wildungen?

Hallo bluecat,
wo ist dieser Dr. Hoffmann. Ich komme aus dem Bonner Bereich. Kennst dort jemand einen guten Arzt/ Klinik?

Hallo dalia,
du hast recht, ich kann mit meinen Schmerzen im Moment noch gut leben. Ich hab´sie nur am Morgen, eine Stunde nach dem Aufstehen, wobei sie sich auf der linken Seite konzentrieren. Seit einem Jahr merke ich jedoch, dass ich immer schiefer werde (linkes Hosenbein ist länger ...)
Deinen Bericht habe ich gelesen, wirklich gut und erstaunlich was du alles durchgemacht hast. Für mich ist das alles Neuland!

Gruß
Schega

Re: Operation mit 41

Verfasst: Di, 26.07.2005 - 12:20
von Toni
Schega hat geschrieben:Hallo,
danke das Ihr alle so schnell auf meinen Beitrag reagiert habt.

Hallo Toni:
Deine Drei Fragen kann ich leider noch nicht beatworten. Erde meinen Arzt beim nächsten Termin danach fragen.
Schega hat geschrieben:Was bedeutet Kyhose?
Kyphose ist eine konvexe Krümmung der WS nach AUSSEN. Z.B. Rundrücken bei Morbus Scheuermann. Nícht zu verwechseln mit dem typischen Rippenbuckel (Schroth-Sprache PAKET) bei Skoliose. Ein "Paket" kann man trotz Flachrückens haben.
Schega hat geschrieben: Was macht man bei der Schroth-Therapie?
Schau mal da:
http://skoliniti.de/html/physiotherapie.htm

Schega hat geschrieben: Was hälst du von der Klinik in Bad Wildungen?
Eine SEHR renomierte erfahrene Klinik für WS Operationen!
Sie gelten in Insiderkreisen zwar als HOCHKOMPETENT, Patientenerfahrungen zeigen aber, daß sie bei Beratungs- und Aufklärungsgesprächen im Vergleich zu Neustadt kurzangebunden und etwas "lieblos" sind. Die Klinik-Aufenthaltszeiten sind in der WWK im Ø länger, die Implantate NICHT Primärstabil, was bedeutet daß oft eine Korsett-Nachbehandlung zur postoperativen Stabilisierung erforderlich ist.(das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, wie verschiedene Patientenerfahrungen zeigen! )

Auch stehen sie im Ruf, vorschnell große OP machen zu wollen.
Auch verwenden sie teilweise als veraltet geltende Edelstahlimplantate die zum Brechen neigen. Neustadt und andere Kliniken verwenden inzwischen nur noch Titan, welches leichter, stabiler, körperverträglicher und weniger bruchanfällig aber wesentlich teurer ist.

Aber über OP würde ich mir an DEINER STELLE erst mal noch gar keine Gedanken machen. Erst sollten alle konservativen therapeutischen Möglichkeiten Reha, Schroth-KG und eventuell ein Korsett ausgeschöpft sein, bevor über eine endgültige Versteifungs-OP nachgedacht wird. Leider haben die wenigsten Orthopädie-Fachärzte Erfahrungen in konserv. Therapie bei Erwachsenen, weshalb sie oft dazu tendieren schnell die Verantwortung an eine OP-klinik abzuschieben! Und dann kommt meistens die WWK Bad Wildungen zuerst, da sie durch den längst pensionierten legendären Prof. Dr. Zielke weltweit als WS-OP-Klinik bekannt wurde.
Schega hat geschrieben:
Hallo bluecat,
wo ist dieser Dr. Hoffmann. Ich komme aus dem Bonner Bereich. Kennst dort jemand einen guten Arzt/ Klinik?
In dieser region ist uns KEIN empfehlenswerter Skoliose-Facharzt bekannt. Sehr viele aus dem Raum Köln, Bonn, Eifel, Aachen usw... gehen zu Dr. Hoffmann nach Leonberg und noch NIEMAND hat die Fahrt dorthin bereut!

Gruß Toni

Verfasst: Di, 26.07.2005 - 17:24
von bluecat
Hallo Schega,

Dr. Hoffmann ist in Leonberg bei Stuttgart.
Es ist von Bonn aus noch eine Ecke weiter als von LM, aber ich habe bisher nicht bereut!

Unter das Messer lege ich mich noch nicht. Auch wenn es schon 52° sind.

Du solltest es dir eine OP reichlichüberlegen!
Wie Toni schon sagt, die Ärzte sind bei Erwachsenen oder auch bei jungen Leuten oft schnell überfordert und raten zur OP
Wenn du nur vorübergehend Schmerzen hast und nicht all zu sehr unter deiner Optik leidest, versuche auf jeden Fall zuerst KG nach Schroth (evtl. Kur in Sobernheim oder Salzungen) und evtl. wirklich sogar ein Korsett (auch wenns hart sein kann).

Lese dich mal hier durch das Forum. Das meiste was ich bisher weiß, habe ich in diesem Forum gelernt. Daraufhin bin auch ich zu Dr. Hoffmann gekommen.

LG

Verfasst: Di, 26.07.2005 - 18:07
von Sandman77
Ganze Korsett "fanatiker" hier... lol! :rolleyes:

Aber in ein ding haben Sie recht, wenn der schmerzen nicht gross sind und der möglichkeit besteht zu Schrothen, Schwimmen, Atemübung usw. zu tun zu erst dann versuch es damit...

Mann sollte nie vergessen der Skoliose beinflußt sehr stärk Ihre Lungen und das Herz plus die Hüften... Wenn das alles OK ist und weinig schmerzen ist eine OP total doof...
Oder man macht eine OP als vorbeugung wenn Krankengymnastik nix bringt...

Als aber sehr gutes Beispiel ist meine Freundin mit 42, sie hatte mit 14 aber eine Skoliose op mit Harington Stab der gebrochen ist und mit ca. 21 raus genommen würde jetzt eine neue OP. Sie hat Flatback Syndrome entwickelt und sehr viel schmerzen in besondes im Hals bereich...

Jetzt hat sie zwei Neue Staben, 8 screws und nach 3 Wochen in Krankenhaus mit 15 cm höher als bevor zu Hause! Mit eine einfache Korset kann sie jetzt sogar schon vieles alleine wieder tun! :) :) :)

Ich habe mit 9 zu spät zwei ops gehabt und habe noch 60-65 kurve und eine Harington Stab drin... Aber geringe lungevolume mit 21,6% und manchmal hüft problemen...

Verfasst: Mo, 26.09.2005 - 16:05
von Schega
Hallo,
melde mich jetzt nach langer Zeit nochmal wieder. Es hat sich nicht viel bei mir getan. Ich habe im November einen Termin in der Kölner Uni-Klinik, wo ich in der Skoliose-Sprechstunde vorstellen soll. Bin mal gspannt was die mir da erzählen. Ich werde meinen Mann als seelische Stütze mitnehmen.
Ansonsten habe ich mich in einem Fitness-Center angemeldet. Eine Sporttherapeutin hat sich sehr intensiv mit mir beschäftigt und sich meinen Rücken angesehen. Daraufhin hat sie mir einen "Zirkeltraining" zusammengestellt. Der besteht aus 20 Minuten walken auf dem Laufband, 2x 9 Geräte - Übungen(und 2 Übungen aus der Krankengymnastik) und wieder ca. 20 Minuten Laufband. Ich bin so begeistert davon(gehe 2-3x pro Woche hin), mein Rücken fühlt sich wieder viel besser an!
So, das war mal ein kleiner Zwischenstand. Wenn ich im November in Köln war, melde ich micht wieder!
Tschüss!!! :sport: