general-rammstein hat geschrieben:es ging mir nicht darum, dass sie sich nach der op nicht darauf freuen soll, keines mehr zu brauchen. ich habe eher den eindruck, dass ärzte verunsicherte teenies und eltern einfach das blaue vom himmel runter versprechen und die leute dann denken... "ach lass ich mich mal kurz operieren und dann ist wieder alles in butter".
Ich stimme dir zu - hin und wieder ist mir das bei Patienten aufgefallen. Es wurde z.B. nicht unterschieden, welche der Dinge, die nach OP langfristig meist möglich sind, problemlos oder doch nur mit Einschränkungen möglich sind (z.B. Sport: oft Aussagen wie "man darf alles außer Fallschirmspringen", was so wirken kann, als ginge jeder Sport problemlos - tja, ich kann
prinzipiell schon vieles... fragt sich bloß, wie es dabei oder hinterher weh tut oder wie ich mich "anstelle"), oder Zeiträume wurden (ohne das hervorzuheben) eher für den bestmöglichen Verlauf und die bestmöglichen Bedingungen genannt (z.B., wann Schulbesuch möglich ist: es werden oft Zeiträume genannt, die eher für jemanden realistisch sind, der zur Schule gebracht werden kann und auf den viel Rücksicht in der Schule genommen wird).
Eine OP sollte keinesfalls so angegangen werden, dass man denkt - mal plakativ gesagt - "ich lass' das mal jetzt wegoperieren, und dann trage ich die schicken Tops". Dergleichen habe ich auch schon bei Patienten erlebt, tendenziell noch jünger und mit wesentlich geringeren Cobb-Werten. Da wurde sich tatsächlich vorgestellt, eine Woche ins Krankenhaus, Korsett weg, und man hat einen normalen Rücken und könne die Versteifung vollständig kompensieren. War in den Fällen aber bevor das überhaupt mit Ärzten besprochen wurde, die Patienten noch weit von der OP-Indikation entfernt.
general-rammstein hat geschrieben:natürlich haben jugendliche andere "probleme" wie erwachsene.
Und aus eigener Erfahrung mit Versteifung seit dem 13. Lebensjahr: als Jugendlicher fällt die Bewegungseinschränkung nach einer OP noch mehr auf als als Erwachsener, weil man viel häufiger mit der Situation konfrontiert ist, dass in einer Gruppe eine Beweglichkeit angenommen wird, die man einfach nicht hat. Mit jetzt 32 muss ich wesentlich seltener um Rücksichtnahme bitten als mit 13.... und es wird auch von anderen ernster genommen.
Bin daher der Meinung, dass die Konsequenzen einer Versteifung sowieso auch einem Jugendlichen sehr bewusst sein sollten, da zwar meist viele jugendtypische Aktivitäten machbar sind (auch ich habe da von Zeltlager, Disco, Abschlussfahrten, Gruppenfahrten, Freund haben, Praktika machen, Ausbildungsplatz finden... viel mitgemacht), aber man dennoch auffallen wird. Und tendenziell, so meine Erfahrung aus eigener Sicht und von anderen, wird man vielleicht das ein oder andere "Jugendproblem" von zuvor nochmal überdenken und ein Stück erwachsener werden, wenn man sich erst recht (!) nach OP viele Gedanken über Gesundheit, Ergonomie etc. machen muss.
general-rammstein hat geschrieben:
natürlich haben jugendliche andere "probleme" wie erwachsene. aber wenn ich vor so einem eingriff stehe, dann sollte man "auch in diesem alter schon" verstehen, dass derlei aufklärung vom arzt kommen sollte.
Ich stimme dir voll und ganz zu!
general-rammstein hat geschrieben:
oder sehe ich das falsch mit der aufklärung, wenn ein junges mädchen schon den op termin hat, aber nichtmal weiß ob das op-ergebnis gleich stabil ist oder ein korsett vonnöten ist. ja ich werfe hier ärzten manchmal durchaus unverantwortliche berufsauffassung vor!
Details der Aufklärung finden - leider! - oft erst bei einem weiteren Termin wenige Wochen vor OP statt. Oft werden OP-Termine sehr lange im Voraus vergeben, v.a., wenn ein OP-Termin nach Möglichkeit in die Schulferien gelegt werden soll.
Mein OP-Termin wurde damals ca. ein Jahr (!) im Voraus vergeben. Es fand zu dem Zeitpunkt auch schon eine Aufklärung statt (die, trotz meines jungen Alters, nicht verharmlosend war, inklusive der Aufklärung, was eine Versteifung der LWS üblicherweise bedeutet, ebenso, dass die Versteifungsstrecke erst kurzfristig anhand des weiteren Verlaufs festgelegt werden kann). Die ganz konkrete (da ging es z.B. auch um die deutlichere Festlegung der Versteifungsstrecke auf "von Th3 oder Th4 bis L4 oder L5", Konkretisierung von Verhaltensregeln bei L5-Versteifung, Klärung ob Korsett oder Gips) war dann ca. 6 Wochen vor OP.
Bin sowieso der Meinung, dass man nur sehr gut vorbereitet eine WS-OP durchführen lassen soll (andere planbare ebenso), und mein Motto ist "schön, wenn man die OP nicht braucht, aber gut, dass es sie gibt".
Viele Grüße
Raven