Beckenschiefstandbehandlung gegen Skoliose
Verfasst: Fr, 24.10.2003 - 22:43
Ich möchte Euch von einem Besuch beim Heilpraktiker berichten, von dessen Behandlungskonzept ich sowohl angesprochen als auch irritiert bin:
Ein Forumsgast hatte in Zusammenhang mit Beckenschiefstand auf die Internetseite des Heilpraktikers hingewiesen, auf der es heißt, dass die meisten diagnostizierten Beinlängendifferenzen eigentlich Beckenschiefstände sind, die z. B. durch den Geburtsvorgang entstanden sind. Da dieser Heilpraktiker kostenlose Info-Veranstaltungen zu seiner Methode anbietet, bin ich mal zu einer hingegangen.
Seltsamerweise war ich an diesem Abend die einzige, die gekommen ist (Zitat des Heilpraktikers: Sie haben Glück, Sie haben sich heute als einzige angemeldet“)
In einem Diavortrag hat er dann recht ausführlich folgendes erklärt: Während des Geburtsvorganges kommt es durch Ausschüttung eines bestimmten Hormons bei der Mutter beim Kind zur Erweichung der Bänder des Beckens. Dadurch kann das Becken des Kindes den Geburtskanal leichter passieren. Kurz nach der Entbindung werden die Bänder wieder fest und bleiben es ein Leben lang.
Nun kann es aber vorkommen, dass Teile des Beckens während der Geburt verschoben werden und dann für immer schief miteinander fixiert bleiben. Auswirkungen hat das dann , wenn das Kind Laufen lernt. Die Wirbelsäule versucht, die veränderte Statik auszugleichen und verbiegt sich mit der Zeit zur Skoliose.
Der Heilpraktiker setzt in seiner Behandlung Injektionen (Scandicain) an die Ansätze der Bänder des Beckens; dadurch werden für ein bis zwei Minuten die Bänder weich und der Heilpraktiker nutzt dies, um durch leichte Beckenbewegungen das Becken in die richtige Position zu bringen. Insgesamt braucht es 10 solcher Behandlungen, um den Beckenschiefstand zu korrigieren. Soweit die zugrunde liegende Theorie und zum Diavortrag.
Ich hatte dann die Möglichkeit, Fragen zu stellen und habe davon auch ausgiebig Gebrauch gemacht.
Meine Fragen und die Antworten des Heilpraktikers führe ich nachfolgend so auf, wie ich sie im Gedächtnis behalten habe:
Frage: Wie stellen Sie fest, ob es sich um eine „echte“ Beinlängendifferenz handelt oder um einen Beckenschiefstand?
Antwort: Anders als üblich diagnostiziere ich das nicht beim stehenden sondern beim liegenden Patienten, denn nur so sind tatsächliche Beinlängendifferenzen zweifelsfrei feststellbar.
Frage: Mit welchen Methoden oder Messinstrumenten messen Sie das aus?
Antwort: Das kann ich aufgrund meiner Erfahrung s e h e n.
Wie lange benötigen Sie für diese Untersuchung?
Antwort: Ca. eine Minute.
Frage: Wo haben Sie diese Methode gelernt?
Antwort: Von einem Arzt, mit dem ich eine Zeitlang gemeinsam praktiziert habe. Dieser Arzt ist aber jetzt wieder auf .?.(ich weiß nicht mehr ob es Teneriffa war oder eine andere Insel, ist aber im Prinzip auch egal). Seit 13 Jahren habe ich meine eigene Praxis und behandle ausschließlich Beckenschiefstände. Meine Patienten kommen nicht nur aus Köln sondern auch von weiter her.
Frage: Haben Sie mit dieser Methode immer Erfolg oder gibt es auch Patienten, bei denen das nicht wirkt?
Antwort: Bereits nach der ersten Behandlung ist der Beckenschiefstand korrigiert, die weiteren 9 Behandlungen sind nötig, damit der Korrekturerfolg sich festigt.
Frage: Mit welcher Methode richten sie das Becken gerade? Ist das Osteopathie oder Chiropraxis?
Antwort: Für diese Methoden habe ich keine Ausbildung, aber die manuellen Bewegungen, die ich mache, sind dem schon sehr ähnlich.
Frage: Sie können also a l l e Beckenschiefstände heilen?
Antwort: Ja.
Frage: Das hieße ja, wenn bei einer idiopathischen Skoliose u. U. ein nicht erkannter Beckenschiefstand zugrunde liegt, dann könnten Sie diese Skoliose beseitigen?
Antwort: Ja. Es gibt sowieso keine idiopathischen Skoliosen! Letztlich gehen sie a l l e auf den bei der Geburt erworbenen Beckenschiefstand zurück.
Frage: Sind Sie also der Ansicht, dass Beckenschiefstand die bisher noch nicht anerkannte aber doch die eigentliche Ursache der Skoliose ist?
Antwort: Ja.
Frage: Warum ist das denn dann noch nicht in den Fachpublikationen aufgegriffen worden? Wenn Sie wirklich Recht haben, dann hätten Sie doch den Nobelpreis verdient!!!
Antwort: Mediziner sind den Methoden der Heilpraktiker gegenüber nicht offen und werden sie nie akzeptieren, weil es keine schulmedizinischen Erkenntnisse sind.
Frage: Wenn Sie von Ihrer Methode so überzeugt sind, warum dokumentieren Sie sie denn nicht und weisen die Zusammenhänge empirisch nach? Mit wissenschaftlicher Anerkennung könnten viel mehr Menschen von Ihrer Methode profitieren.
Antwort: Ich bin niemand, der mit seiner Methode „hausieren“ geht. Ich bin nur bereit, diese Methode darzustellen, wenn ich angefragt werde.
Frage: Haben Sie denn nicht eine Verantwortung den Patienten gegenüber, denen Sie helfen könnten?
Antwort: Wer in meine Praxis finden soll, der wird kommen.
Frage: Gibt es Patienten, bei denen Sie mit weniger als 10 Behandlungen hinkommen bzw. gibt es Patienten, die mehr als 10 Behandlungen benötigen?
Antwort: Es sind immer 10 Behandlungen.
Frage: Immer? Und immer mit bleibendem Erfolg?
Antwort: Ja.
Soweit mein „Interview“.
Bleibt noch nachzutragen: Der Heilpraktiker war wirklich sehr freundlich und hat sich insgesamt 1,5 Stunden für mich Zeit genommen, wohlgemerkt, alles kostenlos.
Ich muss sagen, die Überlegung, Beckenschiefstand als e i n e mögliche Ursache von Skoliose, finde ich gar nicht so abwegig. Ob die Ursache (Hormonausschüttung unter der Geburt mit Erweichung der Bänder des Beckens) tatsächlich so stattfindet, dazu kann vielleicht Dr. Steffan was sagen, wie ich überhaupt an seiner Meinung zu dieser Theorie /Methode interessiert bin.
Was mich jedoch sehr irritiert und auch skeptisch macht, ist die Ausschließlichkeit mit der a l l e idiopathischen Skoliosen erklärt werden. Hätte er gesagt, es ist e i n e m ö g l i c h e Ursache, hätten bei mir nicht sofort alle Alarmglocken geklingelt. Es fehlte mir einfach ein bisschen die selbstkritische Sicht, die noch keinem geschadet hat. Auch dass er sich auf genau 10 Behandlungen festlegt, finde ich eher fragwürdig als vertrauenserweckend. Schließlich sind wir doch alle sehr verschieden, nicht nur was unseren Stoffwechsel angeht und die Reaktion auf Medikamente, sondern auch was die Ausprägung der Skoliose bzw. des Beckenschiefstandes angeht.
Andererseits, wenn es nicht schadet, wenn in die Ansätze der Bänder gespritzt wird, wäre es ja vielleicht mal einen Versuch wert. Auch dazu wüßte ich gerne von Dr. Steffan, wie er das einschätzt.
Ich bin im Prinzip auch offen für Methoden, die nicht schulmedizinisch abgesichert sind. So habe ich z. B. schon mit Bio-Resonanz-Therapie bei der Behandlung von allergischem Asthma von meinem Sohn sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch das haben wir privat bezahlt (und das sehr gerne, da es wirklich erfolgreich war). Die Behandlung des Beckenschiefstandes wäre preislich vergleichbar und wir könnten uns das durchaus leisten. Aber seriös sollte das ganze schon sein!
Also mich interessiert Eure Meinung sehr und ich hoffe, Ihr verzeiht mir, dass mein Beitrag so lang und ausführlich geworden ist und Ihr so viel lesen müßt.
Ein Forumsgast hatte in Zusammenhang mit Beckenschiefstand auf die Internetseite des Heilpraktikers hingewiesen, auf der es heißt, dass die meisten diagnostizierten Beinlängendifferenzen eigentlich Beckenschiefstände sind, die z. B. durch den Geburtsvorgang entstanden sind. Da dieser Heilpraktiker kostenlose Info-Veranstaltungen zu seiner Methode anbietet, bin ich mal zu einer hingegangen.
Seltsamerweise war ich an diesem Abend die einzige, die gekommen ist (Zitat des Heilpraktikers: Sie haben Glück, Sie haben sich heute als einzige angemeldet“)
In einem Diavortrag hat er dann recht ausführlich folgendes erklärt: Während des Geburtsvorganges kommt es durch Ausschüttung eines bestimmten Hormons bei der Mutter beim Kind zur Erweichung der Bänder des Beckens. Dadurch kann das Becken des Kindes den Geburtskanal leichter passieren. Kurz nach der Entbindung werden die Bänder wieder fest und bleiben es ein Leben lang.
Nun kann es aber vorkommen, dass Teile des Beckens während der Geburt verschoben werden und dann für immer schief miteinander fixiert bleiben. Auswirkungen hat das dann , wenn das Kind Laufen lernt. Die Wirbelsäule versucht, die veränderte Statik auszugleichen und verbiegt sich mit der Zeit zur Skoliose.
Der Heilpraktiker setzt in seiner Behandlung Injektionen (Scandicain) an die Ansätze der Bänder des Beckens; dadurch werden für ein bis zwei Minuten die Bänder weich und der Heilpraktiker nutzt dies, um durch leichte Beckenbewegungen das Becken in die richtige Position zu bringen. Insgesamt braucht es 10 solcher Behandlungen, um den Beckenschiefstand zu korrigieren. Soweit die zugrunde liegende Theorie und zum Diavortrag.
Ich hatte dann die Möglichkeit, Fragen zu stellen und habe davon auch ausgiebig Gebrauch gemacht.
Meine Fragen und die Antworten des Heilpraktikers führe ich nachfolgend so auf, wie ich sie im Gedächtnis behalten habe:
Frage: Wie stellen Sie fest, ob es sich um eine „echte“ Beinlängendifferenz handelt oder um einen Beckenschiefstand?
Antwort: Anders als üblich diagnostiziere ich das nicht beim stehenden sondern beim liegenden Patienten, denn nur so sind tatsächliche Beinlängendifferenzen zweifelsfrei feststellbar.
Frage: Mit welchen Methoden oder Messinstrumenten messen Sie das aus?
Antwort: Das kann ich aufgrund meiner Erfahrung s e h e n.
Wie lange benötigen Sie für diese Untersuchung?
Antwort: Ca. eine Minute.
Frage: Wo haben Sie diese Methode gelernt?
Antwort: Von einem Arzt, mit dem ich eine Zeitlang gemeinsam praktiziert habe. Dieser Arzt ist aber jetzt wieder auf .?.(ich weiß nicht mehr ob es Teneriffa war oder eine andere Insel, ist aber im Prinzip auch egal). Seit 13 Jahren habe ich meine eigene Praxis und behandle ausschließlich Beckenschiefstände. Meine Patienten kommen nicht nur aus Köln sondern auch von weiter her.
Frage: Haben Sie mit dieser Methode immer Erfolg oder gibt es auch Patienten, bei denen das nicht wirkt?
Antwort: Bereits nach der ersten Behandlung ist der Beckenschiefstand korrigiert, die weiteren 9 Behandlungen sind nötig, damit der Korrekturerfolg sich festigt.
Frage: Mit welcher Methode richten sie das Becken gerade? Ist das Osteopathie oder Chiropraxis?
Antwort: Für diese Methoden habe ich keine Ausbildung, aber die manuellen Bewegungen, die ich mache, sind dem schon sehr ähnlich.
Frage: Sie können also a l l e Beckenschiefstände heilen?
Antwort: Ja.
Frage: Das hieße ja, wenn bei einer idiopathischen Skoliose u. U. ein nicht erkannter Beckenschiefstand zugrunde liegt, dann könnten Sie diese Skoliose beseitigen?
Antwort: Ja. Es gibt sowieso keine idiopathischen Skoliosen! Letztlich gehen sie a l l e auf den bei der Geburt erworbenen Beckenschiefstand zurück.
Frage: Sind Sie also der Ansicht, dass Beckenschiefstand die bisher noch nicht anerkannte aber doch die eigentliche Ursache der Skoliose ist?
Antwort: Ja.
Frage: Warum ist das denn dann noch nicht in den Fachpublikationen aufgegriffen worden? Wenn Sie wirklich Recht haben, dann hätten Sie doch den Nobelpreis verdient!!!
Antwort: Mediziner sind den Methoden der Heilpraktiker gegenüber nicht offen und werden sie nie akzeptieren, weil es keine schulmedizinischen Erkenntnisse sind.
Frage: Wenn Sie von Ihrer Methode so überzeugt sind, warum dokumentieren Sie sie denn nicht und weisen die Zusammenhänge empirisch nach? Mit wissenschaftlicher Anerkennung könnten viel mehr Menschen von Ihrer Methode profitieren.
Antwort: Ich bin niemand, der mit seiner Methode „hausieren“ geht. Ich bin nur bereit, diese Methode darzustellen, wenn ich angefragt werde.
Frage: Haben Sie denn nicht eine Verantwortung den Patienten gegenüber, denen Sie helfen könnten?
Antwort: Wer in meine Praxis finden soll, der wird kommen.
Frage: Gibt es Patienten, bei denen Sie mit weniger als 10 Behandlungen hinkommen bzw. gibt es Patienten, die mehr als 10 Behandlungen benötigen?
Antwort: Es sind immer 10 Behandlungen.
Frage: Immer? Und immer mit bleibendem Erfolg?
Antwort: Ja.
Soweit mein „Interview“.
Bleibt noch nachzutragen: Der Heilpraktiker war wirklich sehr freundlich und hat sich insgesamt 1,5 Stunden für mich Zeit genommen, wohlgemerkt, alles kostenlos.
Ich muss sagen, die Überlegung, Beckenschiefstand als e i n e mögliche Ursache von Skoliose, finde ich gar nicht so abwegig. Ob die Ursache (Hormonausschüttung unter der Geburt mit Erweichung der Bänder des Beckens) tatsächlich so stattfindet, dazu kann vielleicht Dr. Steffan was sagen, wie ich überhaupt an seiner Meinung zu dieser Theorie /Methode interessiert bin.
Was mich jedoch sehr irritiert und auch skeptisch macht, ist die Ausschließlichkeit mit der a l l e idiopathischen Skoliosen erklärt werden. Hätte er gesagt, es ist e i n e m ö g l i c h e Ursache, hätten bei mir nicht sofort alle Alarmglocken geklingelt. Es fehlte mir einfach ein bisschen die selbstkritische Sicht, die noch keinem geschadet hat. Auch dass er sich auf genau 10 Behandlungen festlegt, finde ich eher fragwürdig als vertrauenserweckend. Schließlich sind wir doch alle sehr verschieden, nicht nur was unseren Stoffwechsel angeht und die Reaktion auf Medikamente, sondern auch was die Ausprägung der Skoliose bzw. des Beckenschiefstandes angeht.
Andererseits, wenn es nicht schadet, wenn in die Ansätze der Bänder gespritzt wird, wäre es ja vielleicht mal einen Versuch wert. Auch dazu wüßte ich gerne von Dr. Steffan, wie er das einschätzt.
Ich bin im Prinzip auch offen für Methoden, die nicht schulmedizinisch abgesichert sind. So habe ich z. B. schon mit Bio-Resonanz-Therapie bei der Behandlung von allergischem Asthma von meinem Sohn sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch das haben wir privat bezahlt (und das sehr gerne, da es wirklich erfolgreich war). Die Behandlung des Beckenschiefstandes wäre preislich vergleichbar und wir könnten uns das durchaus leisten. Aber seriös sollte das ganze schon sein!
Also mich interessiert Eure Meinung sehr und ich hoffe, Ihr verzeiht mir, dass mein Beitrag so lang und ausführlich geworden ist und Ihr so viel lesen müßt.