Pia1. hat geschrieben:Bei unserer Tochter (11 Jahre) ist eine Kielbrust diagnostiziert worden.
Aufgrund dessen war ich mit ihr beim Kinderorthopäden udn dieser hat folgendes festgestellt:
- Beckenschiefstand
- dadurch unterschiedliche Beinlänge (1 cm)
Wie hat er Orthopäde das festgestellt? Ich glaub das noch nicht!
Es ist sehr wichtig genau zu diagnostizieren, ob der Beckenschiefstand durch eine tatsächliche Beinlängendifferenz verursacht ist oder ob ein verwrungenes Becken eine Beinlängendiff. vortäuscht. Es kann auch ganz andere Ursachen haben wie z.B. unterschiedliche Anstellwinkel der Oberschenkelhälse, unterschiedliche Höhen der Hüftpfannen oder Deine Tochter hat im Moment der Röntgenaufnahme nur einseitig belastet gestanden! Eigentlich gilt so eine Röntgenaufnahme nur dann, wenn man absolut gleichbelastet gestanden ist: genau 50% Gewicht auf dem rechten Fuß, 50% Gewicht auf dem linken Fuß.
Pia1. hat geschrieben:
- rechtskonvexe thorakolumbale Skoliose (Cobb 10%)
Sicher meinst Du 10° (Winkel-Grad) Cobb. Wenn diese rechtskonvexe thorakolumbale Skoliose keine Rotation hat, dann sind 10° noch keine "echte" Skoliose sondern "nur" eine skoliotische Fehlhaltung. Diese kann auch z.B. dadurch entstanden sein, daß Deine Tochter im Moment des Röntgens das linke Bein zu 80% und das rechte zu nur 20% belastet hat.
Das kann dann durchaus 10° Cobb ergeben.
Nachmessen kann man das jetzt nur noch mit einer Formetric 3-D-Messung , bei der verschieden hohe Brettchen unterlegt werden und die jeweilige Auswirkung auf die Wirbelsäule und Haltung optisch messtechnisch (ohne Röntgenstrahlenbelastung) dokumentiert wird. Leider zahlen KK solche Messungen nicht, auch nicht wenn sie wie in diesem Fall medizinisch sinnvoll sind.
Pia1. hat geschrieben:
- ventrale Thoraxasymnetrie (Kielbrust)
Eine Kielbrust ist nicht unbedingt asymetrisch.
Thoraxasymetrie spricht eher für eine Skoliose!
Aber dann hätte auch eine Rotation der Wirbelsäule (nach NASH & MOE oder nach RAIMONDI diagnostisch beschrieben sein sollen, die u.U, größer ist als die 10° COBB-Winkel.
Gegen Kielbrust (vorstehendes kielförmiges Brustbein) könnte man in diesem Alter noch sehr gut mit einer Art Anti-Kielbrust-Druckspange (Sternum-Kompressor gegen Pectus carinatum) konservativ behandeln.
Eventuell ist auch schon ein Skoliose-Korsett sinnvoll in das eine Pelotte mit Druck auf die Kielbrust integriert wird. (Bei Rahmouni fast schon Standart!).
Noch ist wegen der noch viel zu wenig sorgfältig beschriebenen Diagnose nicht klar, wie ernst die skoliotische Komponente zu behandeln ist. Ich kenne leider Fälle, wo Fachärzte für Orthopädie schlicht unfähig waren, eine Skoliose richtig zu vermessen und den optimalen Behandlungsbeginn mit Zögern und Zaudern total verpennt und verschleppt haben.
Zu einer vollständigen Beschreibung einer Skoliose gehört:
der Skoliosetyp nach KING (oder genauer nach RIGO)
die Winkel° nach COBB
die Rotation nach NASH & MOE (oder besser RAIMONDI)
der Skoliosewinkel (sichtbare Rotation) nach BUNNEL = Gefälle von Paket hinab in die Schwache Stelle,
die WS-Beweglichkeit nach SCHOBER & OTT.
Derzeit kannst Du noch nicht wissen, wie progredient und schnell sich die Skoliose Deiner Tochter entwickeln könnte.
Pia1. hat geschrieben:
Jetzt sitze ich hier ziemlich depremiert und weiß nicht, was auf mich, bzw. meine Tochter zukommt.
a) Wie kann sich das weiterentwickeln?
Das kann sich leider sehr progredient verschlimmern.
11 ist ein sehr kritisches Alter, wenn schon ein deutlicher Ansatz für eine Skoliose vorliegt.
Pia1. hat geschrieben:
b) Welche Sportart sollte sie vermeiden?
c) Welche Sportart sollte sie treiben? Was tut ihr gut?
Sie kann und soll mit den 10° noch Alles machen dürfen, wozu sie Lust hat.
Pia1. hat geschrieben:
d) Sie soll zur Krankengymnastik, reicht das aus?
NEIN. Das reicht auf gar keinen Fall aus. Höchstens zur Überbrückung, bis sie eine Reha in Bad Sobernheim oder Bad Salzungen bekommt.
Sie soll UNBEDINGT diese KG bei einer/einem SCHROTH-PhysiotherapeutIn machen. Irgend eine 0-8-15 KG ist völlig sinnlose Zeitverschwendung.
Pia1. hat geschrieben:
Ich wäre euch dankbar, wenn ihr mich informieren könnt, dann kann ich besser mit dieser Diagnose umgehen.
Es ist zu überlegen, wenn die Skoliose "echt" ist, eventuell gleich ein Nachtkorsett zu tragen und die Skoliose gar nicht erst über 20° krümmen zu lassen, als in einem halben oder einem Jahr den Kampf mit einem 23-Stunden-Korsett aufnehmen zu müssen.
Ich würde Euch dringend empfehlen, eine 2. Meinung von einem Spezialisten einzuholen.
Was liegt Euch näher? Lübeck, Berlin oder Stuttgart?
Gruß Toni