Liebe Lilarot,
ja, es ist leider so. An der Skoliose lässt sich "nicht mehr viel machen" , aber eben doch ein bisschen! Vielleicht kannst du da denen ein wenig vertrauen, die all das schon erlebt haben. Am Anfang ist man tierisch fertig, hadert mit der Welt - oder auch nicht. Das hängt vielleicht auch davon ab, in welchen Alter seine Diagnose bekommen hat oder ob man sonst eher von senslibler Konstitution ist

. Aber eines Tages wird das alles vorbei sein. Schau uns an. Wir haben zum Teil noch immer große Schmerzen (ich zum Beispiel), aber wir kämpfen nicht mehr gegen Windmühlen. Wir bekämpfen nicht mehr die Tatsache an sich. Wir kämpfen in diesem kleinen Bereich neben den Windmühlen, der sich noch ändern lässt, und dafür dort doppelt so sehr!
Ich habe meine Diagnose auch sehr spät bekommen. Ich war 23 Jahre alt und hatte zu diesem Zeitpunkt schon seit über 5 Jahren starke Schmerzen. Ich fühlte mich erstmal wie ein Krüppel (entschuldigt bitte

), sah überall auf der Straße nur noch krumme Rücken, sah mich ausgeschlossen aus der Welt, weil es jedem anderen besser ging - und dann noch der Horror, für den Rest seines Lebens Schmerzen zu haben. Diese Erfahrung teilen viele von uns miteinander. Und dennoch... eines Tages müssen wir lernen, damit zu leben. Nicht wegen anderen, die unser "Gejammer" nicht mehr hören wollen - sondern für uns! Unter dem Loch, in das manch einer stürzt, leiden vor allem wir selbst. Und nochmal: die Schmerzen werden erträglicher werden, wenn du mit ihnen deinen Frieden machst!!
Auch die ständige Haltungskontrolle erinnert dich vielleicht immer an dein Problem - aber das ist genau der Bereich unter den Windmühlen, in dem du noch handeln kannst!! DAS ist etwas, mit dem du deine Skoliose, deine Schmerzen, ändern kannst. DAS zieht dich aus der Opferrolle. Du bist der Situation nicht gänzlich ausgeliefert!
Ich glaube dir, dass du dir helfen lassen willst. Deswegen stellst du hier Frage um Frage um Frage. Das verstehe ich gut

. Du hast vielleicht Angst. Du suchst vielleicht krampfhaft nach einer Möglichkeit, deine Situation noch einmal zu verbessern. Ich hoffe, ich lehne mich da nicht zu weit aus dem Fenster. So war ich auch. Ich hab zig Bücher gelesen, weil ich hoffte, aus dem Albtraum, der es damals war, wieder herauszukommen. Aber ich hab meine Balance erst wieder gefunden, als ich die Situation angenommen hatte. Ich konnte die Möglichkeiten vorher gar nicht richtig sehen, weil ich mich zu sehr im Kreis gedreht habe. Vielleicht ist ja deine Frage nach dem Essen auch so etwas. Du wünschst dir vielleicht, dass es etwas so Banales wie das Essen sein könnte, das dir wieder helfen könnte. Aber das ist es leider nicht

. Vertrau uns da. Wir sind den Weg schon gegangen, den du gerade gehst. Die meisten hier wissen, wovon sie reden. Und sie wissen, dass das Hadern auch bei dir ein Ende nehmen muss - für dich! Sonst wirst du nur unglücklich werden. Es gibt Menschen, die hadern Jahre lang mit sich und ihrem Körper. Sie verlieren damit wertvolle Zeit. Du bist noch so jung! Du kannst die Zeit noch zu deinem Vorteil nutzen! Aber wie du selbst sagst: kämpfe nicht gegen Windmühlen

. Kämpfe in dem Bereich, in dem du Chancen hast!
Ich weiß nicht, ob du hier die Einzige bist mit einer derartigen Skoliose. Ich glaube es eher nicht. Aber ich bin ehrlich: es ist einerlei. Die Änderungsmöglichkeiten bleiben weiterhin bei dir! In deiner Spannweite. Es gibt tatsächlich Menschen, denen es schlechter geht, aber das soll nicht heißen, dass dein Problem weniger schlimm ist. Du findest es schlimm, also ist es schlimm für dich! Das ist in Ordnung. Das sollte man annehmen, sonst kann man es nicht ändern. Aber vielleicht kannst du dir ja die, die es schon geschafft haben, mit ihrer Situation klarzukommen, zum Vorbild nehmen. Vielleicht können sie dir Hoffnung geben, dass dein Leben nicht immer so sein muss - in diesem Loch.
Ich fände es wirklich gut, wenn du hier weiterschreibst. Hilft dir das denn?
Sei ganz lieb gegrüßt
