Gibt es eine Heilung für immer?

Fragen und Antworten rund um das Thema Skoliose
Antworten
GiGi

Gibt es eine Heilung für immer?

Beitrag von GiGi »

Nach allem, was ich hier im Forum gelesen habe, frage ich mich, ob mein Sohn (12 Jahre) irgendwann einmal wieder einen ganz gesunden Körper haben wird, wenn er - wir fangen ja gerade erst einmal an, auch wie ihr jahrelang ein Korsett getragen hat und KG nach Schroth gemacht hat. Oder ist es so, dass man ein ganzes Leben lang, auch nach dem Wachstum, was tun muss?

Liebe Grüße
Benutzeravatar
BZebra
Profi
Profi
Beiträge: 4915
Registriert: Mo, 20.05.2002 - 15:06

Beitrag von BZebra »

Hi Gigi,

mit einem Korsett ist das möglich, wenn die Skoliose noch nicht ganz so weit fortgeschritten ist, sie im Korsett auf Null oder leichte Überkorrektur korrigiert werden kann und noch genügend Restwachstum besteht.

Das hier wäre z.B. eine komplette "Heilung":

[equote="von: www.Rahmouni.de"]Bei einer anderen Patientin (s. nachfolgende Abbildungen) konnte die Hauptkrümmung von 29° lumbal während der 2jährigen Behandlung begradigt werden.

Bild

von links nach rechts:
1. Befund zu Beginn der Versorgung
2. Korrektur im Korsett
3. Befund ohne Korsett nach 2jähriger Orthesenbehandlung[/equote]

Ganz kleine Skoliosen sind im Erwachsenenalter nicht behandlungsbedürftig, schreiten nicht weiter fort, sind also in dem Sinne dann "geheilt".

Gruß,
BZebra
Benutzeravatar
Toni
Profi
Profi
Beiträge: 4388
Registriert: Sa, 20.04.2002 - 19:07
Geschlecht: männlich
Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup
Therapie: 1 Boston B.O.B.
1 Milwaukee
2 Rahmouni´s
1 TüKO
Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen!
Wohnort: Allgäu

Beitrag von Toni »

Liebe Gigi
Erst mal willkommen im Forum.
Information ist das Erste und Wichtigste. Das findet Ihr bei uns, einschl. Motivation und "moralischer Unterstützung".
Eine skoliotische Wirbelsäule ist etwas, was man sein ganzes Leben lang PFLEGEN MUSS.
Selbst sogenannte "Wirbelsäulengesunde" müssen dies tun!
Rückenschmerzen in allen Erscheinungsformen ( Kreuzweh, Hexenschuss, Ischias, Steifer Nacken, usw....) kommt bei fast ALLEN Menschen irgendwann früher oder später vor.
Eine Skoliose ist eigentlich keine Krankheit sondern "NUR" eine KRUMMHEIT. Ein Skoliotiker kann bei entsprechender Lebensweise gesünder, fiter, leistungsfähiger sein als die meisten angeblich WS-Gesunden, die für ihre Wirbelsäule nix tun. Denen die "Wirbelsäulen-Hygiene" fehlt.
Eine Skoliose die bei einer relativ geringen Gradzahl bleibt und keine inneren Organe beengt, wird kaum bis keine Einschränkungen im späteren Leben verursachen.
Damit die Skoliose gering bleibt, nicht progredient ( schnell verschlimmernd) wird, ist die Lenkung des Wirbelsäulen-Wachstums bei Deinem Sohn notwendig, falls die Skoliose über 15 - 20° Krümmungswinkel nach Cobb beträgt.
Eine Schuheinlage mag ja bei einem Beckenschiefstand wegen Beinlängendifferenz durchaus sinnvoll sein- Wachstumslenkend wirkt das NICHT!
Das mit weitem Abstand wirksamste, am Beginn aber unangenehmste Mittel der Wachstumslenkung ist ein GUTES (sehr wichtig!) KORSETT!
Nahezu ebenso wichtig ist die RICHTIGE und WIRKSAME Krankengymnastik. Hier ist nur eine atemorthopädische, 3-dimensionale KG nach SCHROTH nachgewiesen wirksam.
Zusammen- Schroth KG und gutes Korsett ist die Skoliose zu bewältigen!
Eine nahezu vollständige Ausheilung KANN (!) möglich sein, wenn folgende Voraussetzunggen erfüllt werden:

*Klares Behandlungskonzept das vorbehaltlos vom Patienten und den Eltern verstanden und akzeptiert (innerlich angenommen) wird.
*Optimale Aufklärung und Motivation ermöglicht die logische Einsicht in Alle auch unangenehmen Notwendigkeiten.
*Eine sorgfältige Diagnose und Therapieeinleitung durch einen erfahrenen und einfühlsamen Facharzt, der bei Skoliose wirklich durchblickt.
*Ein hervorragendes Korsett von einem sehr guten Orthopädietechniker, das von Anfang an (ohne Zeitverlust!) eine sehr hohe Primärkorrektur (Entdrehung und Begradigung der WS) ermöglicht.
*Eine sehr hohe Compliance des Patienten das Korsett auch 23 h zu tragen und zu ertragen entsteht aus dem festen Willen eine möglichst gerade WS zu erhalten.
*Eine möglichst baldige REHA in Bad Sobernheim oder Bad Salzungen um SCHROTH richtig zu erlernen und schnell einen kräftigen Muskeltonus aufzubauen, mit dem tiefliegenden inneren Muskelkorsett, das für die Aufrichtung und entdrehung der WS zuständig ist.
*Diese in der Reha erlernte Schroth-KG zuhause KONSEQUENT mindestens eine halbe Stunde täglich fortführen und sich ab und zu professionell korrigieren lassen, damit sich keine Haltungsfehler einschleichen.
*Die Reha in der Wachstumsphase ( bis 18 ) JÄHRLICH wiederholen!
*Das Korsett lang genug tragen, bis sich die Wirbelsäule in der Korrektur wirklich stabilisiert hat.
*Auch danach noch ab und zu nachts das Korsett tragen oder stundenweise um der WS immer wieder zu zeigen was "Gerade" ist.
Weiterschrothen.
*Den "Zweitberuf-Wirbelsäulenpfleger" ernst nehmen.

Unter all den vorgenannten Voraussetzungen ist es möglich, daß Dein Sohn eine fast oder relativ gerade und gesunde, belastbare und bewegliche Wirbelsäule ein Leben lang haben wird.

Die Skoliose ist eine enorme Herausforderung an alle Beteiligten, besonders an den Patienten! Aber es ist zu schaffen, dafür haben wir viele positiven Beispiele.
Aber es gibt auch Krisen und Therapie-versager- auch dafür findest Du hier genügend Beispiele.
Gründe für Therapieversagen können sein:
Mangelnde oberflächliche Aufklärung.
Zeitverluste und Verzögerungen durch Inkonsequenz und Experimentieren... ( "versuchen wir es doch mal mit....Homöopathie, Osteopathie, einer ganz normalen KG, öfters schwimmengehen und sehen wir mal obs nächstes Jahr dann auch noch so krumm ist.....")
Mangelnde Compliance des Patienten selbst.
Dumme Bemerkungen aus dem Umfeld des Patienten: Ein Schmerz-Scheuermann-Vater einer korsett-pflichtigen 12jährigen Skoli-Patientin hat mal zu seiner Tochter gesagt: " Sowas würde ich nie im Leben anziehen!"
DAS IST SEHR DEMOTIVIEREND! Eltern und ALLE Angehörigen müssen vorbehaltlos hinter der Therapie stehen, sie verstehen und sie unterstützen!
Der Patient muss seine "Krankheit" (besser KRUMMHEIT) innerlich bewältigen und akzeptieren. Dazu verhilft der Kontakt mit anderen Betroffenen in der Reha, in Selbsthilfegruppen oder virtuell hier im Forum.
Krisen werden vorkommen, dürfen aber nicht zu lange dauern oder zum Abbruch der konservativen Therapie führen.
Wenn das doch passiert, KANN (muss nicht) sich die Skoliose mit ihrer unheimlichen fast mystischen Kraft weiter verkrümmen und verschlimmern.
Kommt sie über 50° Cobb beginnt (offiziell) die Indikation für die OP.
Dabei wird die WS durch die Entfernung der Bandscheiben und den einbau metallener Implantate begradigt und versteift.
Es wird also eine Anomalie, die krumme aber bewegliche WS gegen eine andere Anomalie, die gerade (geradere) aber versteifte WS eingetauscht. Und das trotz modernster Methoden und hervorragender Intensivmedizin mit relativ hohem Risiko und nicht besonders reizvollen Langzeitprognosen, was spätere Schmerzen durch Früharthrose in den nichtversteiften WS-Anteilen angeht!

Im Grunde gibt es 2 Wege:
1. Konsequent den konservativen Weg mit Korsett und Schroth-Therapie.
2. Inkonsequent und nichts tun und warten, bis die Skoliose OP-reif geworden ist. (Ein Weg der in vielen Ländern von Österreich bis USA mangels besserer Alternativen üblich ist)

Bitte experimentiert nicht herum.
Ihr wisst nun wer die wirklich empfehlenswerten Skoli- Ärzte sind.

Sicher gibt es viele skoli-kompetente Ärzte, einschl. der Skoliose-Sprechstunden der Uni-Kliniken. Dort liegt aber meistens der Schwerpunkt auf der Wirbelsäulen-Chirurgie und es werden wenn überhaupt mittelmäßige bis schlechte Korsette verabreicht. Entsprechend schlecht sind dort dann auch oft die Erfahrungen mit konservativer Therapie, so daß diese oft nur unzureichend und halbherzig durchgeführt wird. Teilweise "züchten" die Unikliniken mit der minderen Qualität ihrer konservativen Therapie das Patientengut ("Futter für den OP-Tisch!") selber.
Bitte Scheut keine weiten Wege. Daß das Gute naheliegend ist, trifft bei Skoliose/Kyphose leider nicht zu!
Kürzlich war eine 16jährige Patientin aus Kirgiesien ( 7500 km!) in Bad Sobernheim und in Stuttgart für ihr 2. Rahmouni-Korsett!
Nun liegt es an Euch- schnell und konsequent zu sein! Wir können Euch nur unterstützen!
Liebe Grüße
Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
GiGi

Beitrag von GiGi »

Liebe BZebra, lieber Toni,

vielen, vielen Dank für Eure hilfreichen Beiträge, die mir Hoffnung geben. Seit zwei Nächten habe ich kaum vor Sorge geschlafen. Die Vorstellung, einen pubertären Sohn dazu zu bringen, dass er jahrelang ein Korsett tragen muss, ist ja nicht so prickelnd, aber ich denke, wenn er irgendwann eine Kur macht, wird er dort auch Menschen sehen, die zu lange gewartet haben. Das wird ihn vielleicht mehr motivieren, als die Worte einer Mutter, die ja in seinen Augen am besten auf dem Mond leben sollte :-)

Letzte Nacht habe ich mich schon ein bisschen damit getröstet, dass es ja Gott sei Dank eine "Krankheit" (Toni beschreibt besser: Krummheit) ist, gegen die man etwas tun kann. Auch ist hilfreich, hier im Forum zu erkennen, wie viele Menschen davon betroffen sind. Allerdings frage ich mich, warum einem so wenige alte Menschen begegnen, die "krumm und schief" sind, weil früher ja gar nichts gegen Skoliose unternommen wurde. Oder sind sie doch da und man hat nicht so darauf geachtet?

Wie dem auch sei, wir werden auf jeden Fall etwas tun. Ich bin heilfroh, dass es dieses Forum hier gibt, denn wenn ich mich nur auf den Orthopäden anfang dieser Woche verlassen hätte, würden wir jetzt nur 10mal allgemeine KG machen und mein Sohn hätte nur Schuheinlagen. Unglaublich! Was gibt es bloß für oberflächliche Ärzte!

Liebe Grüße,
GiGi
Benutzeravatar
micros
treues Mitglied
treues Mitglied
Beiträge: 463
Registriert: So, 23.02.2003 - 21:42
Wohnort: Bayern

Beitrag von micros »

GiGi hat geschrieben:Allerdings frage ich mich, warum einem so wenige alte Menschen begegnen, die "krumm und schief" sind, weil früher ja gar nichts gegen Skoliose unternommen wurde. Oder sind sie doch da und man hat nicht so darauf geachtet?
Wahrschenlich hast nicht darauf geachtet und hast auch keinen "Skoliosenkennerblick". Ich sehe schon öfters alte Frauen, die starke Skoliose haben ( auch unter Wintermantel deutlich erkennbar). Da ältere Damen auch nicht grad in knappen, kurzen Sachen rumlaufen, sondern eben eher weitere Sachen tragen, sieht man die Skoliose, besonders als Laie, viel schlechter bzw. achtet nicht drauf.
Ich habe erst in Bad Sobernheim entdeckt, dass ICH schief aussehe(das ich es bin war klar), nachdem ich den ganzen Tag andere, viel schlimmere Rücken sah........
hab zwar davor auch Schroth gemacht, aber wollte/konnte es nicht sehen.
hm, und vielleicht haben diese ältere Damen auch schon Schroth gemacht *g* , Katharina Schroth hat ja schon vor einiger Zeit die methode entwickelt
Lache wenn es nicht zum Weinen reicht
Benutzeravatar
Toni
Profi
Profi
Beiträge: 4388
Registriert: Sa, 20.04.2002 - 19:07
Geschlecht: männlich
Diagnose: M. Scheuermann Kyphose (urspr. 68°)
M. Baastrup
Therapie: 1 Boston B.O.B.
1 Milwaukee
2 Rahmouni´s
1 TüKO
Und SCHROTHen bis bis die Sprossenwand qualmt und sich die Spiegel krümmen!
Wohnort: Allgäu

Beitrag von Toni »

Das stimmt! es laufen unglaublich viele Skolis und Kyphos jeden Alters herum! Doch das sieht man erst, wenn man gelernt hat das zu sehen und auch WS-Deformationen unter Kleidung an der Haltung zu erkennen!
Die "Normalmenschen" sind aber tatsächlich blind dafür.
Die sehen kein Reh, selbst wenn es im Garten steht und keine Skoli oder Kyphos und wenn sie im restaurant am Nachbartisch hockt!
Das ist ganz normal.
Gruß Toni
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas!
Benutzeravatar
Matthias
treues Mitglied
treues Mitglied
Beiträge: 382
Registriert: Do, 03.07.2003 - 15:02
Geschlecht: männlich
Diagnose: 2 alte BSV in der LWS -> Schmerzen
BWS-Hyperkyphose
Therapie: 1. Rahmouni-Korsett gegen Schmerzen 2003
2. Rahmouni-Kyphosen-Korsett 2007
3. Korsett von CCtec 2015
Sohn ebenfalls Kyphosenkorsetts von Rahmouni und CCtec
Tochter ebenfalls Kyphosenkorsetts CCtec
Wohnort: Darmstadt

Beitrag von Matthias »

Hallo Toni,

die Skoli oder Kypho zu sehen, und dann etwas dagegen zu tun sind zwei verschiedene Dinge. Bei unserer letzten Sommerfreizeit waren mehrere Mädchen zwischen 10 und 16 Jahren bei denen zumindest die Kyphose eindeutig sichtbar ziemlich stark war. Auch ein Arbeitskollege hat eine sehr starke Kyphose, die mir sogar früher schon aufgefallen ist als ich noch nicht durch dieses Forum sensibilisiert war. Wie kann ich jemand darauf hinweisen, ohne ihn/sie vor den Kopf zu stoßen. Ich kann doch nicht sagen: "Hallo, Du solltest mal Deine Wirbelsäule untersuchen lassen!", oder doch?
Wie sprichst Du andere Leute darauf an?

Gruß Matthias
Swan
Newbie
Newbie
Beiträge: 12
Registriert: So, 17.06.2007 - 13:41
Wohnort: Berlin

Beitrag von Swan »

Toni hat geschrieben: Rückenschmerzen in allen Erscheinungsformen ( Kreuzweh, Hexenschuss, Ischias, Steifer Nacken, usw....) kommt bei fast ALLEN Menschen irgendwann früher oder später vor.
Eine Skoliose ist eigentlich keine Krankheit sondern "NUR" eine KRUMMHEIT. Ein Skoliotiker kann bei entsprechender Lebensweise gesünder, fiter, leistungsfähiger sein als die meisten angeblich S-Gesunden, die für ihre Wirbelsäule nix tun. Denen die "Wirbelsäulen-Hygiene" fehlt.
Eine Skoliose die bei einer relativ geringen Gradzahl bleibt und keine inneren Organe beengt, wird kaum bis keine Einschränkungen im späteren Leben verursachen.
Hallo Toni,

daß auch sehr leichte Skoliosen (nach heutigem Stand) unheilbar sein sollen, finde ich schon beängstigend.
Andererseits berichtete mir eine Orthopädin von einer Patientin, sie sich voll und ganz aus der Skoliose aufrichten kann (fleißige Physiotherapie). Also geht's doch?
Ich werde die Suche nach Heilerfolgen doch nicht aufgeben und Ärzte befragen (Schroth, Spiraldynamik), auch wenn die Erfahrungen in diesem Forum negativ sind. Nur mit Schroth-Gymnastik scheint es nicht zu gehen. Vielleicht mit Kombination mit noch anderen Therapien ?

Daß viele Ärzte leichte Skoliosen nicht ernst nehmen und sie deshalb den Patienten oft noch nicht mal mitteilen, ist verantwortungslos. Einfach deshalb weil auch eine sehr leichte , nicht progrediente Skoliose gefährlich ist: Durch die chronische Fehlbelastung und Fehlbewegung der Wirbelsäule zerstört der "krumme" Mensch im Lauf der Zeit zwangsläufig sich selbst. Bandscheibenschäden, Wirbelgelenksarthrose, Spinalkanalenge als Folgeschäden. Deshalb besteht immer dringender Handlungsbedarf.

Daß viele Leute Rückenschmerzen haben verwundert nicht, sind das doch Symptome physischer oder psychischer Über- bzw. Fehlbelastung! Aber ein Mensch mit gesunder Wirbelsäule hat wenigstens eine gewisse Chance, sich Überlastungssituationen vom Hals zu schaffen bzw. durch "Wirbelsäulenpflege" gesund zu bleiben, der Skoliotiker hat nur die Wahl, durch Nicht-bewegen oder durch Bewegen seine Wirbel zu ruinieren. Damit meine ich die triviale Tatsache, daß sowohl Bewegungsmangel als auch Fehlbelastung den Körper kaputt machen.

Menschenkinder kommen bekanntlich sehr unfertig und hilflos auf die Welt. Die gattungsspezifischen körperlichen, seelischen und geistigen Fähigkeiten werden über viele Jahre und jahrzehnte postnatal entwickelt (oder auch nicht). Also auch Koordination bzw. Bewegungsintelligenz.

Bei der "idiopathischen" Skoliose hat man offensichtlich die Aufrichtung und Verschraubung des Stammes nicht lernen können. Andere Kinder können ihre Füße oder ihr Becken nicht funktionell benutzen. Knickfüße, Hohlkreuz usw. sind ja weit verbreitet. Das ist die schlechte Nachricht und hat viel mit konkreten ungünstigen Lebens- und Entwicklungsbedingungen zu tun. Die gute Nachricht: Im Prinzip kann man seine bewegungsontogenetischen Defizite und Fehlentwicklungen später noch korrigieren.
http://www.spiraldynamik.com/sd0100_spiraldynamik.html

Leider nicht immer und alles. Deshalb ist Prävention natürlich besser als mühsames, zeit- und geldaufwendiges Um- und Neulernen.
http://www.tamed.de/zertifikat/ws2007_1 ... achse.html

Das hilft natürlich all jenen nichts, die schon unheilbare Schäden haben, ist aber wichtig für die Prävention und auch für die Akzentsetzung bei der Forschung: würde man in die Suche nach Ursachen, Prävention und Heilung von Wirbelsäulenproblemen soviel Geld und Personal investieren wie in manche profit- oder prestigeträchtigen anderen Medizinbereiche, wäre man in der Vermeidung und Rehabilitation von Skoliosen schon weiter.

Beste Grüße
Swan
Benutzeravatar
BZebra
Profi
Profi
Beiträge: 4915
Registriert: Mo, 20.05.2002 - 15:06

Beitrag von BZebra »

Swan hat geschrieben:Andererseits berichtete mir eine Orthopädin von einer Patientin, sie sich voll und ganz aus der Skoliose aufrichten kann (fleißige Physiotherapie). Also geht's doch?
Nein, es geht, wenn man ausgewachsen ist, nicht. Das liegt an der Definition von Skoliose.

Eine Skoliose ist es nämlich immer nur dann, wenn man sich nicht mehr aktiv vollkommen aufrichten kann. Kannst du das, und wäre sie damit heilbar, handelt es sich nicht um eine Skoliose sondern um deren Vorstufe der skoliotischen Fehlhaltung oder Haltungsschwäche.

Skoliose also per Definition unheilbar mit der Ausnahme von solchen, die während des Wachstums noch unter die 10 Grad Grenze begradigt werden können.
Swan
Newbie
Newbie
Beiträge: 12
Registriert: So, 17.06.2007 - 13:41
Wohnort: Berlin

Beitrag von Swan »

Hallo BZebra,

besten Dank für die Info. Das wußte ich nicht. Ich werde also erst mal abklären, ob ich "Skoliose" oder "skoliotische Fehlhaltung" habe. Kennt jemand einen diesbezüglich kompetenten Arzt in Berlin ?
Mit der Inkompetenz von Ärzten habe ich mittlerweile genug Erfahrung, man muß seine Ärzte wirklich sorgfältig (aus)-suchen.

Viele Grüße
Swan
StephanA.

Skoliose ist heilbar

Beitrag von StephanA. »

Hallo! Bei mir war Skoliose seit frühester Jugend an bekannt. Verursacht war sie bei mir durch eine Beinlängendifferenz von fast 4 cm! Sollte in meiner Jugend Einlagen tragen, bekam einen erhöhten Absatz und hin und wieder Krankengymnastik. Da so eine Einlage nicht gerade schick aussieht, hatte ich sie schon nach einigen Wochen weggetan und lief lieber ohne herum. Als ich vor einigen Wochen eine rückenbelastende Arbeit aufnahm, folgten grosse Beschwerden und ich ging nach Jahren wieder mal zu einem Orthopäden. Der Arzt diagnostizierte sofort meine von Jugend an bekannte Diagnose "linkskonvexe Skoliose durch Beinlängendiffernz" und diese betrug ca. 4 cm. Diese Diagnose bekam ich schon mit 14 und heute bin ich 30 Jahre alt. Durch meine berufsbedingte überbelastung hatte ich sogar eine Entzündung im Krümmungsbereich des Rückens. Als heilende Massnahme sollte ich wieder Einlagen bekommen. Weil aufgrund der Jahre sich meine Wirbelsäule an die Beckenfehlstellung gewöhnt hat, sollte ich zunächst eine Einlage zum Ausgleich von 2,5 cm bekommen. Um die 3,8 cm völlig auszugleichen, sollte dann ein neues Paar Einlagen folgen.

Kann sich irgendjemand vorstellen, dass es sowas wie eine göttliche, übersinnliche Heilung gibt? Ich war am Freitag bei einer Gebetsnacht in der Christus - Kathedrale in Karlsruhe und es haben dort viele Menschen bezeugt, dass sie durch die Kraft von Jesus Christus geheilt wurden. Da ich selber so etwas mit ziemlicher Skepsis betrachte, glaubte ich eigentlich nicht daran, dass ich dort wirklich Heilung bekommen würde, zumal es ja auch medizinisch unmöglich ist.

Komme gerade von einer ärztlichen Untersuchung. Ich habe KEINE SKOLIOSE mehr, beide Beine sind gleich lang und die Wirbelsäule ist völlig gerade. Man mag mich vielleicht jetzt für verrückt halten, aber offensichtlich bin ich von Jesus geheilt worden. Es gibt jetzt zwei ärzte, die sich jetzt mit dieser ungewöhnlichen Diagnose auseinandersetzen dürfen! Wie werden sie das bloss medizinisch erklären? Offensichtlich ist die Bibel wirklich wahr und es funktioniert, was dort drinsteht. Lahme können gehen, Blinde wieder sehen...

War übrigens schon ein dutzend Male bei einem Heilungsgottesdienst und es passierte nichts. Warum es jetzt plötzlich passierte, weiss ich nicht. Ich habe auch schon gar nicht mehr damit gerechnet. Ich kann also nur jedem empfehlen, mal einen Heilungsgottesdienst zu besuchen, selbst wenn man da nicht so wirklich von überzeugt ist. Ich bin der lebende Beweis, dass es Gott wirklich gibt und das er heute noch heilt - und ich hatte auch so meine Zweifel darüber, weil ich es mir nicht vorstellen konnte.
Benutzeravatar
Schnecke007
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 1987
Registriert: Mi, 21.02.2007 - 22:41
Geschlecht: weiblich
Diagnose: Skoliose 4-bogig rechts
Therapie: ambulantes Schroth
Wohnort: Landkreis KA

Beitrag von Schnecke007 »

Hallo Stephan,

das ist ja phantastisch! Herzlichen Glückwunsch! :)
"Gott sei Dank" warst Du dort! :lach:

Gruß,
Schnecke
Swan
Newbie
Newbie
Beiträge: 12
Registriert: So, 17.06.2007 - 13:41
Wohnort: Berlin

Slolioseheilung

Beitrag von Swan »

Hallo Stephan,

Glückwunsch! Das freut mich für Dich. Ich bin weder religiös noch esoterisch, glaube aber sehr wohl, daß durch "unkonventionelle Methoden" erstaunliche Veränderungen passieren können. Ich habe von einer Tänzerin gehört, die ihre Skoliose tatsächlich gerade gekriegt hat durch energetisches Heilen bei einem Arzt in Japan. Ich werde sie mal kontaktieren und genauer befragen.

Ich würde da nicht Jesus am Werk vermuten. Seine Wirbelsäulen-
Verbiegungen macht man sich ja selber, wenn sie nicht von Unfällen kommen oder genetische Fehler sind und insofern würde ich das eher unter "Selbstheilungskräfte aktivieren" verbuchen. Beispiel Krebs: Der NLP-Therapeut Robert Dilts konnte seine von den Ärzten aufgegebenen Mutter dabei unterstützen, neue Lebensperspektiven zu finden und "tödliche" Glaubenssätze umzuändern, und der Krebs hat sich vollständig verkrümelt.

Trotzdem verstehe ich es nicht ganz: Hast Du wirklich eine echte Beinlängendifferenz? Also nicht durch Fehlhaltung ? Dann finde ich es wirklich ertaunlich, daß die Skoliose weg sein soll. Dann müßte ja auch Dein beinbedingter Beckenschiefstand weg sein??? Grübel...
Mich interesiert , wie groß Deine Skoliose war (Winkel) und ob die Wirbelsäule tatsächlich nicht mehr schief und verdreht ist.

Jedenfalls finde ich das gut, daß Du nicht aufgegeben hast, nach Lösungen zu suchen.

Beste Grüße
Swan
Benutzeravatar
Schnecke007
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 1987
Registriert: Mi, 21.02.2007 - 22:41
Geschlecht: weiblich
Diagnose: Skoliose 4-bogig rechts
Therapie: ambulantes Schroth
Wohnort: Landkreis KA

Beitrag von Schnecke007 »

Der NLP-Therapeut Robert Dilts konnte seine von den Ärzten aufgegebenen Mutter dabei unterstützen, neue Lebensperspektiven zu finden und "tödliche" Glaubenssätze umzuändern, und der Krebs hat sich vollständig verkrümelt.
Da frage ich mich aber doch, wer für die Heilung verantwortlich war. Doch nicht etwa die Mutter selbst? Ich glaube, dass auch sogenannte "Selbstheilungskräfte" nicht aus dem Nichts oder allein aus dem Körper kommen.
Ich würde da nicht Jesus am Werk vermuten.
Nicht? :D

Gruß,
Schnecke
Benutzeravatar
Kypho60
treues Mitglied
treues Mitglied
Beiträge: 313
Registriert: Sa, 19.10.2002 - 00:00
Wohnort: NRW

Spontanheilung

Beitrag von Kypho60 »

Hallo StephanA.,

auch herzlichen Glückwunsch von mir.
Wenn bei Dir einer dieser extrem seltenen Fälle von Spontanheilung zutrifft, ist das schon was ganz besonderes.
In den letzten Jahrzehnten sind nur gut ein paar Dutzend medizinisch annerkannte Spontanheilungen dokumentiert, und das meist aus dem onkologischen Bereich.
Aber ich kenne auch jemanden, der sich im Gebirge bei einer Wanderung verletzt hat. Vor Ort wurde ein Knochenbruch diagnostiziert und zu Hause war nach ein paar Tagen später alles wieder ok. Und diese Person ist auch kein "esoterischer Spinner" oder ähnliches.
So unwahrscheinlich es klingt, aber man kann solche extrem seltenen Ereignisse nicht als Spinnerei abtun.
Ein Irrtum kann natürlich vorliegen, wenn bei einer oder mehreren Diagnosen Fehler gemacht wurden. Dann wäre es natürlich kein ganz so seltenes Ereignis.

Aber Du hast auch von der Kraft Gottes geschrieben. Wenn es sie gibt, wird sie sicherlich wirken, ob man dran glaubt oder nicht.
Und abhängig davon , an was man glaubt (z.B. an Gott, oder aber auch an gar nichts etc.) wird man seine Erfahrungen - und in diesem Fall diese Heilung - halt seinem Glauben gemäß einordnen.
Fakt ist, dass es nachweisbare, aber nicht erklärbare Phänomäne gibt. Wenn man seinen Glauben (an wen oder was auch immer) an diesen unerklärlichen Phänomänen (z.B. Spontanheilung) festmacht und dann später doch noch ne Erklärung für das vorher unerklärliche findet - woran macht man dann seinen Glauben fest?

Ich denke, dass solche wunderbaren Heilungen sicher Startpunkt eines Glaubens sein können, aber nicht der Anker.

Wenn dich Gott durch dieses Ereignis angesprochen hat und du daran glaubst, versuche vielleicht eher, dich dann auf ihn einzulassen als das du deinen Glauben "nur" an diesem einen (wenn auch phantastischen) Ereignis festmachst.

... Lahme können gehen, Blinde wieder sehen... und alte Skoliosen wieder gerade werden. Aber das sind (leider) die absoluten Ausnahmen.

LG
Kypho 60
Benutzeravatar
chilli-pepper
treues Mitglied
treues Mitglied
Beiträge: 409
Registriert: Sa, 16.12.2006 - 22:31
Wohnort: Nähe Berlin

Beitrag von chilli-pepper »

Hallo,

also ich kann mir vieles vorstellen, aber ich kann das nicht glauben was

Stephan geschrieben hat- Sorry! :nein:

Chilli-pepper
Benutzeravatar
Charp
Vielschreiber
Vielschreiber
Beiträge: 548
Registriert: Mi, 03.08.2005 - 13:21
Geschlecht: weiblich
Diagnose: juvenile Skoliose, 47° thorakolumbal
Wohnort: Niedersachsen

Beitrag von Charp »

Zu Stephans Geschichte: Physikalisch ist das nicht möglich. Mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen.

@Swan: Solche Wunderheilungsgeschichten sind ein Schlag ins Gesicht jedes ernsthaft Kranken, impliziert ja irgendwie, dass man an seiner Krankheit selber schuld ist (bezogen auf Skoliose schreibst Du das ja sogar). Beim "Beispiel Krebs" wird es anmaßend. Denk doch mal drüber nach.
Benutzeravatar
Klaus
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 15254
Registriert: Mi, 23.06.2004 - 18:36
Geschlecht: männlich
Wohnort: Hannover

Beitrag von Klaus »

Charp hat geschrieben:Zu Stephans Geschichte: Physikalisch ist das nicht möglich. Mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen.
Das meine ich aber auch!

Eine echte Beinlängendifferenz von 4 cm kann unmöglich durch eine Spontanheilung behoben sein!

Ein Beckenschiefstand durch eine Skoliose kann eine Beinlängendifferenz vorgauckeln, die in geringem Umfang durchaus durch Suggestion behoben werden kann. Das habe ich bei einer Vorführung durch einen Geistheiler gesehen. Hier handelt es sich aber um skoliotische Fehlhaltungen, die man selbst beeinflussen kann.
Man braucht sich nur das veränderte Körpergefühl nach einer Schroth REHA anzugucken, dann weiss man, wie "von innen her" die Kraft zur Korrektur wächst.

Das Problem bei all diesen "alternativen Heilungsarten" und der Darstellung in diesem Forum ist das Fehlen von konkreten Ausgangssituationen mit Winkelangaben von Röntgenaufnahmen!

Ist es eine skoliotische Fehlhaltung, die durch Muskelkräfte einfach zu korrigieren ist, das aber noch nie probiert wurde?
Oder ist es tatsächliche eine Skoliose, was nur anhand eines Röntgenbild an den Wirbelkörpern festzustellen ist?

Wenn hier nur die rein optische Diagnose zum Einsatz gekommen sein sollte, ist das kein Beweis für eine "Heilung" und somit auch kein Ansatz, es "göttlichen" Kräften allein zu überlassen.

Für Stephan ist das Ergebnis sicherlich sehr gut, wenn die WS tatsächlich jetzt gerade sein sollte, unabhängig davon was die Ausgangssituation nun wirklich war.

Gruss
Klaus
Benutzeravatar
BZebra
Profi
Profi
Beiträge: 4915
Registriert: Mo, 20.05.2002 - 15:06

Beitrag von BZebra »

Charp hat geschrieben:Zu Stephans Geschichte: Physikalisch ist das nicht möglich. Mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen.
Und in anbetracht der Situation, dass die Mehrzahl der Ärzte ohnehin nicht richtig Beinlängendifferenzen diagnostizieren können, auch weit von einem Wunder entfernt.

In obigem Beitrag von StephanA. habe ich noch einen Werbelink zu einer religiösen Organisation entfernt. Wäre nett, wenn hier im Forum generell keine Postings zu religiösen und politischen Themen eingestellt würden.
Benutzeravatar
Dalia
Co-Admin
Co-Admin
Beiträge: 10332
Registriert: So, 10.08.2003 - 12:48
Geschlecht: weiblich
Diagnose: 107° und 98° (im Jahr 2003 zu Beginn der Korsetttherapie: 98° und 93°), sehr starre Skoliose, kaum Beschwerden
Therapie: 1983-1994 Korsetts verschiedener OTs, zuletzt bei Rahmouni, dann Korsettabschulung im Jahr 1994, seit 05/2005 bis etwa 2018 Nachtkorsett von Rahmouni, Therapieziel: Halten der Skoliose, seit 2018 keine Therapie mehr
Wohnort: NRW

Beitrag von Dalia »

BZebra hat geschrieben:In obigem Beitrag von StephanA. habe ich noch einen Werbelink zu einer religiösen Organisation entfernt.
Was darauf schließen lässt, dass es nie eine wundersame Heilung gab, sondern einzig und allein um Werbung ging.

Außerdem wären die Cobb-Werte (belegbar durch Röntgenbilder) sehr viel aussagekräftiger. Orthopäden, die Skoliosen anhand von Beinlängendifferenzen "messen", sind alles andere als kompetent.
Ich kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben. (Bertolt Brecht)
meine Geschichte: Dalia wird Königin (Korsett für eine Oldie-Power-Skoliose)
Antworten