
Bestimmung des COBB-Winkels
Der COBB-Winkel (engl. COBB's angle) ist ein Maß für die Stärke einer Krümmung. Er beschreibt den Winkel zwischen den beiden am stärksten zueinander gekippten Wirbeln ober- und unterhalb eines Bogens (Neutralwirbel).
Die Messung erfolgt auf einer Wirbelsäulenröntgenganzaufnahme von vorne bzw. hinten (anterior-posterior, ap / posterior-anterior, pa) in entspannter Haltung im Stand.
Zur Messung werden an den Neutralwirbeln entweder an der Grundplatte, der Deckplatte oder den Pedikeln (den "Augen" der Wirbelkörper) Parallelen angelegt, welche sich entsprechend verlängert schneiden und den COBB-Winkel bilden.
Bei kleineren Krümmungen treffen sich diese Geraden jedoch erst außerhalb des Röntgenbildes, weshalb der COBB-Winkel hier nur indirekt ermittelt werden kann. Hierzu werden auf den Geraden im 90-Grad-Winkel Senkrechten aufgetragen, deren Schnittpunkte dann ebenfalls den gewünschten Winkel bilden.
Einfacher geht es, wenn man direkt die Neigung der beiden Geraden mit einem Neigungsmesser oder auf digitalen Röntgenbildern mit einem Grafikprogramm (z.B. GIMP, gratis erhältlich) bestimmt. Die Summe der beiden Winkel-Beträge ergibt dann den Cobb-Winkel.
Der Messfehler bei wiederholten Messungen lag in unterschiedlichen Studien bei 1,5 und 4,9 Grad. Der COBB-Winkel unterliegt auch Tagesschwankungen. Im Durchschnitt ist er bei mittel- bis höhergradigen Skoliosen abends 5 Grad größer als morgens. Aus diesem Grund sollte möglichst immer zur gleichen Tageszeit geröntgt werden.
Bestimmung der Wirbelkörperrotation nach Raimondi
Die Messung der Wirbelkörperrotation erfolgt jeweils am stärksten rotierten Wirbel eines Bogens. Dieser befindet sich in der Regel genau in der Bogenmitte und wird daher auch als Scheitelwirbel bezeichnet. Es ist meist der Wirbel mit der geringsten Neigung, der also am waagerechtesten steht.
Für die Messung der Wirbelkörperrotation werden 3 Punkte benötigt:
Die rechte und linke Begrenzung des Wirbelkörpers sowie die Mitte der konvexseitigen (Bogen äußeren) Bogenwurzel (Pedikel).
Anhand dieser Punkte wird zum einen die Wirbelkörperbreite (X) gemessen und auf gleicher Höhe der Abstand der Pedikelmitte zum konvexseitigen Wirbelkörperrand (Y). Mit diesen beiden Werten lässt sich in der Tabelle dann die Rotation ablesen. Wenn die ermittelten Werte zwischen zwei in der Tabelle verzeichneten liegen, kann die Rotation auf ein Grad genau geschätzt werden. Exaktere Bestimmungen sind nicht sinnvoll, da der Röntgenbildschatten nicht der anatomischen Realität entspricht.
Die Messung muss nicht zwangsläufig in der Mitte des Wirbelkörpers erfolgen. Sie kann auch an einer durch die Pedikelmitte gezogenen und senkrecht zur Wirbelkörper Deck- oder Grundplatte verlaufenden Achse weiter oben oder unten vorgenommen werden. Das Ergebnis bleibt dabei entsprechend der Symmetrie des Wirbels mehr oder weniger konstant, da sich die Strecken X und Y in gleich bleibendem Verhältnis ändern.
Die Tabelle ist für die Maßeinheit Millimeter konzipiert. Da die Rotation jedoch nur aus dem Verhältnis von X zu Y gebildet wird, ist die effektive Maßeinheit nicht entscheidend. Die Abstände können genauso gut auch in Pixeln oder Inch gemessen werden. Liegen die Beträge der Werte dann außerhalb des Tabellenbereichs, können diese durch Multiplikation oder Division (Dreisatz) entsprechend angepasst werden.
Zu bedenken ist auch, dass es sich bei der hier ermittelten Rotation nicht um einen relativen Wert (wie z.B. dem COBB-Winkel), sondern um einen absoluten Wert handelt. Alle zufälligen Positionsabweichungen des Patienten vom vorgesehenen 90-Grad-Winkel zur Röntgenröhre fließen in diesen Wert mit ein. Um diesen Fehler zu eliminieren müßte man im gleichen Röntgenbild noch die Rotation eines Vergleichswirbels bestimmen.
Der durchschnittliche Messfehler bei der selben Person wird mit 0,4 Grad angegeben, bei unterschiedlichen Personen mit 3,6 Grad.

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